Work-life-balance ständige erreichbarkeit

Work-Life-Balance

von Berit Engelam in Allgemein

Ständige Erreichbarkeit – Fluch oder Segen?

Gerade von der Arbeit zu Hause angekommen und schon wieder klingelt das Diensthandy und es kommt noch ein Arbeitsauftrag rein, der unbedingt bis zum nächsten Tag erledigt werden muss. Kurz noch mal die E-Mails checken, es könnte ja etwas Wichtiges im Postfach liegen und nach dem Essen mit der Familie macht man sich erneut an die Arbeit. Obwohl man zu Hause ist, hat man doch keinen Feierabend. Diese Szenarien sind die Kehrseite der ständigen Erreichbarkeit: Permanenter Stress, keine Zeit für Hobbys oder Familiäres.

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Die Nachteile der ständigen Erreichbarkeit

Allgemein ist der Druck auf Beschäftigte deutlich gestiegen und Ruhe zu finden, ist zunehmend schwieriger geworden. Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten können abends nicht von der Arbeit abschalten, das zeigt eine Umfrage des Landesinstituts Nordrhein-Westfalen.

Wenn die Gedanken auch im Feierabend ständig um die Arbeit kreisen, ist die Versuchung groß, noch mal die E-Mails zu checken oder doch noch eine Ergänzung in der aktuell vorzubereitenden Präsentation zu machen … durch Smartphones und Tablets kein Problem.

Problematisch ist das allerdings für unsere Gesundheit. Immer mehr Menschen leiden an psychischen Krankheiten, die durch Stress ausgelöst wurden. Das Wort „Burnout“ hat sich mittlerweile fast in den täglichen Sprachgebrauch eingeschlichen.

Zwischen 2003 und 2014 ist die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Krankheiten, wozu u.a. Burnout zählt, in Deutschland um mehr als 80% gestiegen (Statistik).

Work-Live-Balance und Work-Live-Blending

Der Begriff „Work-Life-Balance“ ist seit einiger Zeit etabliert. Er steht für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben.

Die Bereiche werden häufig getrennt voneinander betrachtet, dabei hängt die Zufriedenheit des Menschen vom ausgeglichenen Zusammenspiel beider Bereiche ab. Die mit Work-Life-Balance umschriebene strikte Trennung des Berufs- und Privatlebens ist heute kaum noch möglich. „Work-Life-Blending“ trifft die Realität eher. In der Theorie des „Work-Life-Blending“ gehen die Bereiche Arbeit und Freizeit ineinander über. Das heißt, manche Arbeitsaufträge werden auch in der Freizeit, z.B. abends zu Hause, erledigt. Gleichzeitig ist es aber genauso möglich, Aktivitäten, wie z. B. Friseurbesuche, die eigentlich nach Feierabend gemacht werden, auch während der Arbeitszeit zu erledigen.

Bei beiden Ansätzen gibt es keine festen Regeln wie Arbeit und Freizeit für den idealen Ausgleich gewichtet sein müssen. Jeder Mensch braucht unterschiedliche Arten des Ausgleichs, auch wird das Verhältnis zwischen „work“ und „life“ individuell ausbalanciert. Manche Menschen empfinden ihr Privatleben stressiger als ihr Berufsleben. Somit bedeutet eine gute Work-Life-Balance nicht unbedingt weniger Stress.

Fraglich ist allerdings, ob die Verschmelzung von Arbeits- und Privatleben positive oder negative Auswirkungen mit sich bringt. Hier kommt das Thema Erreichbarkeit wieder zur Sprache. Wenn ein Arbeitnehmer auch zu Hause oder im Urlaub immer erreichbar ist, dann gibt es keine Trennung mehr zwischen dem Leben zu Hause und dem Leben in der Arbeit. Beides verschmilzt und lässt sich nur noch schwer voneinander trennen. Auch beim weit verbreiteten Home-Office verwischt der Übergang zum klassischen Feierabend – man ist ja ohnehin zu Hause. Der Antrieb ist groß, offene Aufgaben „noch eben“ zu Ende zu bringen, auch wenn es schon spät am Abend ist.

Die Folge: permanenter Stress und Druck, da man das Gefühl hat, ständig zu arbeiten. Das kann zu gesundheitlichen Problemen führen, wie z.B. dem erwähnten und mittlerweile verbreiteten Burnout.

Hier ein zusammenfassender Überblick über die Vor- und Nachteile des Work-Life-Blending.

Nachteile:

  • Arbeitszeiten werden unkontrolliert ausgeweitet, das geht zulasten der Arbeitnehmer
  • Der eigene Leistungsdruck führt zur Selbstausbeutung
  • Durch eine fehlende Kontrollinstanz steigen Gesundheitsrisiken
  • Die Grenzen zwischen Kollegen und Freunden lösen sich auf, was zu negativen Folgen bei Konflikten oder Jobverlust führen kann

Vorteile:

  • Familie und Beruf sind besser miteinander vereinbar
  • Produktivitätsphasen können besser genutzt werden
  • Die Arbeitszeit wird nicht mehr abgesessen
  • Für private Angelegenheiten müssen keine Urlaubstage geopfert werden
  • Die Motivation durch mehr Selbstbestimmung steigt

Flexibilität durch Erreichbarkeit

Erreichbarkeit und Mobilität kann also – richtig eingesetzt – Vorteile und Freiheit schenken, wenn Sie Ihre Arbeit eben nicht im Büro verrichten müssen. Ob beruflich oder privat, Sie können dort sein, wo Sie gerade gebraucht werden, ohne den anderen Bereich zu vernachlässigen. Auch in Not- oder Krisenfällen können Sie flexibel sein, da Sie an keinen festen Arbeitsort und keine feste Arbeitszeit gebunden sind. Diese Flexibilisierung führt außerdem dazu, dass Sie produktiver werden und täglich sogar bis zu 52 Minuten mehr Schlaf finden (mehr Infos).

Mobilität als Segen

  1. Sie sind viel unterwegs? Am Anfang ist es noch schön, während der Zugfahrt aus dem Fenster zu sehen, wer aber regelmäßig pendelt oder oft auf Geschäftsreise ist, empfindet die immer gleiche Strecke als Belastung und vertane Zeit. Vor allem wenn man lange unterwegs ist, sucht man sich schnell sinnvolle Dinge, die man im Zug oder im Flugzeug erledigen könnte. Wenn Sie alle Ihre Dokumente immer bei sich haben und zum Arbeiten nur einen Internetzugang und ein Laptop, Tablet oder Smartphone benötigen, nutzen Sie Reisezeiten ideal und haben im besten Fall alles erledigt, wenn Sie am Ziel angekommen sind. Die wöchentliche Zeitersparnis summiert sich dabei auf Stunden.
  1. Sie haben Familie? Durch Ihre Vollzeitarbeit sehen Sie Ihre Kinder abends nur kurz, weil Sie spät nach Hause kommen und die Kinder früh ins Bett gehen? Oder brauchen Ihre Eltern Pflege und Sie wollen für sie da sein? In vielen Unternehmen wird Home-Office heutzutage ermöglicht z.B. mit Hilfe von Cloudsoftware. Nicht nur im Büro sondern auch zu Hause stehen alle nötigen Unterlagen für die Arbeit zur Verfügung. Warum fahren Sie also nicht schon mittags nach Hause, essen mit Ihrer Familie oder kochen für Ihre Eltern und arbeiten am Nachmittag während Ihre Kinder im Nebenzimmer spielen?
  1. Sie brauchen dringend einen Tapetenwechsel und würden zu gerne ein bisschen Sonne und Wärme genießen, sind aber momentan in viele wichtige Projekte eingespannt und können keinen Urlaub nehmen? Packen Sie einfach Ihr Laptop und Ihre Sonnenbrille ein und fliegen Sie mit Ihrer Familie z.B. nach Mallorca. Dort gibt es z.B. den Coworking-Space „Rayaworx“, der Ihnen eine vollständige Arbeitsinfrastruktur zur Verfügung stellt und Sie nur Ihren Laptop anschließen müssen. Dank Cloudtechnologie haben Sie Ihre Dokumente automatisch dabei. Tagsüber können Sie so Ihre Arbeit erledigen und abends den Sonnenuntergang am Strand genießen.

Für diese drei und ähnliche Szenarien, kann es sinnvoll und hilfreich sein, durch Erreichbarkeit mobil zu werden. Die einzige Herausforderung besteht darin, trotz Erreichbarkeit nicht gestresst und überarbeitet zu werden.

Erreichbarkeit richtig gemacht

Um Erreichbarkeit mit einem ausgeglichenen Leben zu vereinbaren, muss man wissen, welche Faktoren bei der Komponente „Arbeit“ und welche bei der Komponente „Leben“ zu Ausgeglichenheit und guter Laune führen.

Die Herzbergsche Zweifaktorentheorie nennt „Hygienefaktoren“ wie Gehalt, Arbeitsplatzsicherheit und physische Arbeitsbedingungen als Einflussgrößen gegen die Entstehung von Unzufriedenheit bei der Arbeit. Strebt man eine besondere Arbeitszufriedenheit an, müssen auch die „Motivationsfaktoren“ stimmen, wie z.B. Anerkennung, Verantwortung und Leistungserfolg. Laut einer Studie der Jobbörse Stepstone, sind außerdem folgende Faktoren für Zufriedenheit im Arbeitsleben verantwortlich:

  • Respektvoller Umgang miteinander
  • Eine interessante Tätigkeit
  • Arbeiten in einem guten Betriebsklima
  • Arbeiten in einer fairen und offenen Unternehmenskultur

Im Privatleben sind es andere Faktoren, die uns zufrieden stellen:

  • Sozialleben (Freunde, Familie)
  • Sport treiben
  • Ausgewogene Ernährung
  • Hobbys
  • Auszeiten nehmen und abschalten

Wenn diese Faktoren erfüllt sind, steht einer Zufriedenheit in beiden Bereichen zunächst nichts mehr im Wege.

Aber wie lassen sich Arbeit und Freizeit ausgeglichen vereinbaren, wenn man permanent erreichbar ist?

Ständige Erreichbarkeit kann stressen, keine Frage. Ohne Smartphones, Laptops und sonstige mobile oder technische Geräte könnte man nach Feierabend von Kollegen oder Chefs nicht mehr kontaktiert werden.

Selbst kann man allerdings einiges dafür tun, dass die Erreichbarkeit nicht zur Belastung wird und ein Ausgleich so nicht mehr möglich ist. Dass Stress entsteht, liegt nicht nur an der Digitalisierung, sondern auch an der Einstellung und der Umsetzung des Einzelnen. Lassen Sie die Nachteile der Erreichbarkeit nicht zu, sondern nutzen Sie die Vorteile!

Tipps – seien Sie erreichbar und dennoch nicht gestresst

  • Konkrete Arbeitszeiten auch außerhalb des Büros festlegen, und nur zu diesen Zeiten arbeiten
  • Nach Feierabend keine E-Mails mehr checken und das Diensthandy ausschalten
  • Bewusstes Abschalten durch Sport, Freunde treffen o.ä. Freizeitaktivitäten
  • Urlaub ist zur Erholung da und nicht zum Arbeiten! Evtl. können Sie auch eine Ausnahme machen, wenn Ungewissheit die Urlaubsstimmung lähmt. Dann dosiert den Status checken und anschließend wieder entspannt zurücklehnen
  • Prioritäten setzen und Dinge/Aufgaben auch mal zurückstellen oder delegieren

Mit anderen Worten: Wenn die Erreichbarkeit zwischendurch auch einmal zur Erholung abgeschaltet wird, ist sie sehr praktisch und prägt unseren heutigen Alltag.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie beim Thema Erreichbarkeit und wie bekommen Sie einen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit hin? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung und Ihre Tipps!

Kommentare

  1. Doris Schuppe

    Herzlichen Dank für die Empfehlung als Option für Selbständige, die „keinen Urlaub machen können“. Auf neudeutsch wurde diese Variante des Urlaubens mit Coworking übrigens ‚Coworkation‘ genannt. Unsere Coworker sind immer sehr erfreut, wie produktiv sie ihre Aufgaben bei uns im Coworking Space auf Mallorca erledigen können. Umso eher geniessen sie wieder mit Bekannten, Partner/in oder Familie den Blick aufs Meer. Sonnige Grüße!

  2. Horst Dieter Weitner

    Hallo, Coworking Santanyi kann ich nur empfehlen!!! Hier macht das Arbeiten Spaß, Doris und Rainer sind total nett, immer hilfsbereit und leckeren Kaffee gibt es auch. Was will man mehr, so macht Urlaub Spaß.

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